In jungen Jahren war Prinz – damals noch Angelino – ein erfolgreiches Springpferd. Später wurde er als Schulpferd eingesetzt und trug unzählige Reitschüler sicher durch Prüfungen und Turniere. Als er und ein Kollege auf die 20 zugingen, wollte die Reitschule beide zum Schlachter geben. Zwei Frauen kauften sie in letzter Sekunde – die Pferde standen schon auf dem Hänger.
Nach einigen schönen Jahren änderten sich die Umstände. Prinz wechselte mehrfach den Besitzer; er magerte immer mehr ab, war schwerfuttrig und sehr sensibel. Kein Reitstall wollte ihn auf Dauer behalten. Als er abgemagert bei uns einzog, stürzte er sich mit Heißhunger auf seinen Futterbrei.
Wir fütterten ihn viermal täglich mit einem Brei aus geschrotetem Hafer, Heucop, Müsli und Melasse. Prinz legte bald gut 2 Zentner zu – ein Beweis, dass alte Pferde nicht zwangsläufig mager sein müssen. Er kannte bald den täglichen Rhythmus, den Weg zur Weide, die anderen Pferde und natürlich uns. Prinz war nach Hause gekommen.
Seinen letzten schönen Sommer verbrachte er noch auf der Weide, gemeinsam mit seiner geliebten Stute Adina. Im Herbst wurde er schwächer, fraß schließlich kaum noch. Als dann unklare Bauchschmerzen hinzukamen, ließen wir ihn schweren Herzens einschläfern. Er wurde 36 Jahre alt.