Jesus Christus spricht: „Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.“ (2. Kor. 5,17)
Daffi, die eigentlich Dafne heißt, ist eine eher unscheinbare, zurückhaltende Hündin. Über ihre ersten sechs Lebensjahre in Italien liegt ein dunkler Schatten – der Schatten der Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit. Nur sie selbst könnte erzählen, welche Not sie in jenen Jahren durchlitt.
Ihre für die Rasse so typische Anhänglichkeit ließ sie immer wieder die Nähe der Menschen suchen, während bittere Erfahrungen sie lehrten, ihn zu fürchten. So lernte die sensible Hündin äußerste Vorsicht und Zurückhaltung. Als ihre Besitzer ihrer überdrüssig wurden und einen jungen Hund wollten, sollte Daffi in einer italienischen „Hundefabrik“ entsorgt werden.
Eine alte Italienerin mit einem großen Herzen für Hunde fand sie in dieser ausweglosen Situation. Sie rettete Daffi und rief Frau Heberer von „Tiere in Not Odenwald e.V.“ an. Von all dem ahnte Daffi nichts. Für sie begann eine neue schwere Zeit: Wochen in Italien, stundenlange Autofahrten, ständig fremde Menschen. Und immer diese tiefe Sehnsucht nach einem Menschen, der ihr Sicherheit gibt.
So stand Daffi schließlich vor ihrem neuen Zuhause. Sie mochte kaum eintreten, schlich geduckt und ruhelos durch die Wohnung. Dann hörte sie die Hofkatzen hinter der Tür und fing haltlos an zu bellen. Eine Blutuntersuchung hätte wohl wenig ergeben – Daffi kam aus einem „bad house with bad love“. In ihren ersten sechs Jahren hatte sie nur drei Dinge kennengelernt: Eingesperrt sein in einem dunklen Kellerraum, angebunden sein und gequält werden. Sie kannte nicht einmal ihren Namen.
Daffi musste zwei Dinge lernen: erstens, dass ihre neuen Besitzer ihr die Verantwortung für ihr Leben abnahmen und sie sich nicht selbst schützen musste; und zweitens, dass die Dinge, die sie bedrohlich hielt, es gar nicht waren. Mit viel Geduld, Hundeschule und schrittweiser Gewöhnung öffnete sie sich der Welt.
Die Hofkatzen erwiesen sich dabei als großartige Helfer: Sie reagierten erstaunlich gelassen auf die tobende Hündin und verwandelten den scheinbaren Katzenhasser in einen regelrechten Katzenfan. Nach diesem Vorbild näherte man sich auch anderen Hunden: beobachten lassen, dann ruhige Rüden, dann erfahrene Hunde. Und Daffi lernte.
„Das Alte ist vergangen“
Nach zwei Jahren kam ein weiterer Tierheimhund in die Familie: der acht Monate alte Wildling Simson. Diesmal war es Daffi, die half. Sie lehrte ihn die Spielregeln – mit Konsequenz und Geduld.
Mit den Jahren strahlte Daffi jene Ruhe und Gelassenheit aus, die viele Besucher staunend bemerkten. Sie wurde so, wie man sich einen Deutschen Schäferhund vorstellt: wachsam, mutig, arbeitseifrig, klug und freundlich. Geblieben war eine anfängliche leichte Zurückhaltung gegen Fremde und ihr festes Prinzip, von Unbekannten kein Futter anzunehmen.
Die letzten Jahre
In den letzten zwei Jahren stellten sich typische Altersbeschwerden ein: ein schwächer werdendes Herz, Arthroseschmerzen. Sie bekam täglich Herz- und Schmerzmedikamente, eine Hunderampe ins Auto und wurde zur Pferdeweide gefahren, weil der Weg zu steil für sie geworden war. Dort konnte sie ein wenig mit Simson laufen, Nachbarshund Freddy begrüßen oder einfach im Schatten liegen und beobachten.
Oft setzte sie sich nachts in ihr Körbchen und schaute mich lange an. Wenn ich sie dann streichelte, rollte sie sich wieder zurück.
Schließlich, an Pfingsten, verschlechterte sich ihr Zustand so rasch, dass wir sie einschläfern mussten. Es geschah in ihrer vertrauten Umgebung, im Beisein ihrer geliebten Menschen. Daffi schlief friedlich in meinen Armen ein. Und wir wissen, dass sie in den Armen des Herrn aufgewacht ist, der Menschen und Tiere liebt – und der auch all die Tränen aus ihrer traurigen Vergangenheit abwischen wird, die wir nicht abwischen konnten.
„Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ (Offenbarung 7,17b)