Simson
Ehemaliges Tier

Simson

Tierart
Hund
Rasse
Griechischer Herdeschutzhund
Geboren
2007
Geschlecht
Rüde
Bei uns seit
2007
Gestorben am
2017

Weitere Bilder

Biografie

Simson kam in Griechenland zur Welt. Als er gut drei Monate alt war, wurde er zusammen mit zwei Geschwistern im Winter in einer Ackerfurche ausgesetzt. Ein Tierfreund entdeckte die Welpen rechtzeitig und brachte sie in ein von Deutschen geführtes Tierheim. Dort verbrachten die drei die nächsten Monate gemeinsam in einem Zwinger – wenig Kontakt zu Pflegern, keine Hundeschule, kein Spaziergang. Die Not in griechischen Tierheimen ist groß, die Zahl der Hundeliebhaber klein.
Dem Tierheim gelang es, die Hündin zu vermitteln. Für die Rueden gab es in Griechenland keine Chance. So übernahm der Verein TINO (Tiere in Not Odenwald) die beiden und Simson kam mit acht Monaten als richtiger Halbstarker zu uns.
Schon zwölf Stunden nach seiner Ankunft ging er wie ein brüllender Löwe auf uns los. Mein Mann wollte sich gerade umziehen, als der scheinbar friedlich daliegende Hund seinen Angriff startete. Reflektorisch zog ihm mein Mann seinen Schlappen über die Schnauze, dazu ein energisches „Aus!“ – und Simson sprang verblüfft zurück. Als er sich auch auf unsere Schäferhündin Daffi stürzen wollte, stellten wir uns bestimmt vor sie, bis auch Daffi mitbellend auf ihn losging. Er wich tatsächlich zurück und suchte Schutz bei meinem Mann.
Wir kontaktierten das Tierheim in Griechenland, um mehr über ihn zu erfahren. Was wir hörten, erklärte einiges. Simson war ein typischer griechischer Herdenschutzhund – seine helle Farbe war gerade „Mode“. Bei den Hirtenwelpen-Tests wird der Welpe ins Nackenfell gegriffen, hochgehoben und geschüttelt. Das macht ein Hund, um zu töten. Welpen, die in Todesangst jaulen, werden „aussortiert“. Im Winter, wie bei Simson, werden sie in eine Ackerfurche geworfen.
Simson war ein unsicherer Hund – und diese Unsicherheit war gepaart mit extremem Ressourcenverhalten und Dominanzstreben. Dazu handeln Herdenschutzhunde souverän: Wenn ein Raubtier sich nähert, ist keine Zeit, erst das Herrchen zu fragen. Das macht sie für viele unberechenbar, besonders in Deutschland, wo sie in der Enge leben, vieles nicht einschätzen können und von zu vielen Reizen überwältigt werden.
Aber Simson hatte in Griechenland keine Chance auf Vermittlung. Also musste er vieles lernen, was eigentlich gegen seine Natur war. Wir besuchten mit ihm eine Hundeschule – was nicht einfach war. Einigen Trainern fiel es schwer zu akzeptieren, dass er anders war als unsere Schäferhunde. Nicht sportlich, nicht bestechlich durch Futter, zurückhaltend gegen Fremde. Schließlich fanden wir unseren Platz in einer Ortsgruppe des Vereins Deutscher Schäferhunde. Nach zwei Jahren bestand er die Begleithundeprüufung.
Auf unserer Almwiese war Simson als Herdenschutzhund in seinem Element. Er konnte stundenlang bei den Pferden liegen, beobachten, wachen. Mit Welpen – ob Hunde- oder Katzenwelpen – zeigte er schier grenzenlose Geduld, solange sie klein waren. Und wir konnten uns auf ihn verlassen: Ich konnte ihn in der Hundeschule in jeder Situation ablegen und den anderen helfen – so ruhig, ausgeglichen und souverän wirkte er.
Auf der Weide durfte er er selbst sein. Im Haus galt es, Grenzen zu setzen und einzuhalten – Ressourcenverhalten und Individualdistanz waren Themen, die nie ganz verschwanden. Aber wir lernten, damit umzugehen.
Als unser Simson im Alter von nur 10 Jahren starb, waren wir sehr traurig. Aber wir wissen, dass wir ihn einmal wiedersehen.