Astis Leben begann auf einem Bauernhof. Von dort kam er als kleiner Welpe in die Großstadt, wo sein Herrchen den kleinen Hütehundmischling sehr streng erzog. Das Wort „Nein!“ war wohl das Erste, das er lernte – und er verband es mit Strafe. Noch Monate nach seiner Ankunft bei uns zuckte er zusammen, wenn man ihm energisch „nein“ zurief.
Viele Stunden allein bleiben, nicht betteln, sich bei Besuchern zurückhalten – das alles hatte Asti gelernt. Er ertrug die Strenge und wartete geduldig, auch wenn sein Herrchen ihn manchmal bis zu zehn Stunden allein ließ. Dann wurde der Besitzer weniger, die Impfungen blieben aus – und dann gab es da die neue Freundin mit ihrem Kind.
Eines Tages ließ ihn sein Herrchen, wie so oft, ins Auto springen. Asti freute sich auf einen Ausflug. Aber diesmal fuhr sein Herrchen nicht mit in den Wald, sondern zu einer Tierpension – und fuhr weg. Asti winselte verzweifelt, sprang jaulend am Gitter hoch. Als sein Herrchen zehn Tage später zurückkam – weil das Geld für die Pension aufgebraucht war – verwandelte sich das Winseln in ein riesiges Freudengeheul. Was er nicht ahnen konnte: Er sollte nun endgültig weg, am liebsten über Ebay verschenkt.
Der Verein TINO (Tiere in Not Odenwald) entdeckte das Inserat und beschloss, Asti nicht einem fraglichen Schicksal zu überlassen. Als die Vereinsmitarbeiter die Wohnung betraten, lag er still auf einer Decke neben einem kleinen Jungen. Man erklärte, er wache nicht und fresse schlecht. Asti war dünn und wirkte resigniert.
Dann kam er zu uns auf den Pferdeschutzhof – und dort begegneten sie sich: ein Hund, der seinen Menschen verloren hatte, und Menschen, die ihren Hund verloren hatten. Beide waren sich anfangs seltsam fremd und doch irgendwie vertraut.
Die ersten Tage verhielt Asti sich still und zurückhaltend. Nachts winselte und jaulte er oft schlimm im Schlaf – als kämen die Bilder wieder hoch. Nur langsam gewann er Sicherheit. Dann aber, wenn wir ihn von der Leine ließen und zum Toben aufforderten, raste er fröhlich durch das hohe Gras, hüpfte wie ein Fuchs im Maussprung in die Luft und umkreiste uns übermütig bellend.
Mit der Zeit wurde Asti ein anderer Hund: freier, selbstbewusster, wachsam. Er meldete jeden Besucher mit ruhiger, dunkler Stimme – nicht hysterisch, sondern wie ein zuverlässiger Kollege, der Bescheid gibt. Er trug die Brötchen herein, wartete an jeder Kreuzung auf uns und schien förmlich über die Wiesen zu fliegen.
Als Asti zwölf Jahre alt wurde, merkte man ihm das Alter an. Die Knochen meldeten sich, er spielte weniger und schlief mehr. Er blieb aber bis zuletzt ein lieber, pfiffiger kleiner Strolch. Im Sommer 2024 starb er. Wir hatten ihn sehr liebgewonnen.