Unser Zwergmuli Bileam wurde uns Ostern 2011 von der Noteselhilfe gebracht. Er hatte zuvor viele Jahre halbwild in einer Shetlandpony Herde gelebt. Als seine Besitzerin erkrankte, wurden die Tiere notdürftig von Nachbarn versorgt, bis sie schließlich alle in die Obhut der Noteselhilfe kamen. Bileam war durch Uber- und Fehlfuetterung rehekrank geworden.
In der Auffangstation fiel schnell auf, dass er völlig unerzogen und scheu war. Er ließ sich kaum einfangen, aufhalftern oder anbinden; beim Hufaufheben geriet er in Panik. Auch unter Eseln fühlte er sich nicht wohl – er hatte ja jahrelang unter Ponys gelebt.
Bei uns brach er anfangs verzweifelt aus seiner Box aus. Nach täglichem Training war das Einfangen und Aufhalftern bald kein Problem mehr. Schon wenn er uns von Weitem sieht oder hört, läuft er laut schreiend entgegen. Lernresistent beim Hufgeben blieb er bei Fremden – aber sonst ist Bileam, wie man sich einen typischen Esel vorstellt: sehr lieb, anhänglich und schmusig, aber auch sehr eigenwillig.
In seinen letzten Jahren hatte Bileam in der kleinen Eselin Emma eine neue Gefaehrtinn gefunden. Dann wurde er zunehmend müde, sein Bauch immer dicker. Eine Untersuchung ergab einen schnell wachsenden Tumor. Wir sedierten ihn vor dem Einschläfern, damit er keine Angst hatte. Als der Tierarzt die Spritzen aufzog, druckte Bileam noch einmal seinen schönen Kopf mit den großen Ohren an mich. Ich streichelte ihn und flüsterte ihm ins Ohr, wie lieb wir ihn haben – und dass wir uns wiedersehen, dort wo es keine Schmerzen mehr gibt.